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Das richtige Training bei Sprunggelenkverletzungen

Das Sprunggelenk ist eines der meistbelasteten Gelenke unseres Körpers. Es trägt unser gesamtes Gewicht und ist somit besonderen Risiken ausgesetzt. Die häufigsten Verletzungen des Sprunggelenks entstehen durch Unachtsamkeit im Alltag oder beim Sport und sind oft mit starken Schmerzen verbunden. Aber auch Überbelastungen wie beispielsweise durch Fehlstellungen,  Übergewicht oder Funktionsdefizite schaden dem Gelenk und führen langfristig zu Bewegungseinschränkungen.

Hier folgt ein Überblick über die häufigsten Verletzungen bzw. Erkrankungen des Sprunggelenks. Wir haben für Sie eine Reihe von speziellen Übungen zusammengestellt, mit denen Sie – nach Absprache mit Ihrem Arzt – dieses Gelenk gezielt trainieren können.

Der Aufbau des Sprunggelenks.
Das Sprunggelenk besteht aus zwei Gelenken: dem oberen Sprunggelenk und dem unteren Sprunggelenk. Das obere Sprunggelenk setzt sich aus drei Knochen zusammen: aus dem Schienbein, dem Wadenbein und dem Sprungbein. Es ermöglicht, den Fuß nach oben bzw. nach unten zu bewegen.

Das untere Sprunggelenk besteht aus zwei Teilen: oben aus dem Sprungbein, darunter liegt das Fersenbein. Es ermöglicht seitliche Bewegungen. Die Schwächen unseres Sprunggelenks sind dessen Bänder. Zu den Bändern gehören das vordere Schienbein- Wadenbein-Band und das seitliche Kollateral-Band; dieses verbindet das Wadenbein mit dem Fersenbein und ist für die seitliche und äußere Stabilität des Sprunggelenks zuständig. Weiterhin ist das Delta-Band zu erwähnen, welches das Sprungbein mit dem Fersenbein verbindet und für die innere Sprunggelenkstabilität zuständig ist.

 

Die häufigsten Sprunggelenkprobleme auf einen Blick

Die wohl häufigste Verletzungsart ist eine Distorsion, also eine Verstauchung des Sprunggelenks. Täglich erleiden etwa 8.000 Menschen allein in Deutschland eine solche Verletzung. Dabei sind die Ursachen weniger im Sport als viel mehr im Alltag zu suchen. Aber auch Überlastungen, die beispielsweise durch Übergewicht oder Fehlstellungen verursacht werden, führen zu Schädigungen im Gelenk.

Verstauchung (Distorsion)
Eine Verstauchung oder Distorsion ist eine Verletzung eines Bandes oder einer Gelenkkapsel, bei der die Kollagenfasern dieser Strukturen stark überdehnt werden. Am häufigsten tritt eine Verstauchung nach einer gewaltsamen Überdehnung des Sprunggelenks auf. Wenn die Gewalteinwirkung beendet ist, kehren die Gelenkstrukturen in ihren Ausgangszustand zurück. Dennoch können durch die kurzzeitige Überdehnung erhebliche Verletzungen an der Gelenkkapsel und am Bandapparat entstehen.
Etwa 85 Prozent der Sprunggelenksverletzungen sind Verletzungen, bei denen sich die Fußsohle nach innen dreht und die Außenbänder des Sprunggelenks verletzt werden. Verletzungen der Innenbänder sind weitaus seltener, da diese Bandstrukturen wesentlich kräftiger sind.

Es wird in drei verschiedene Schweregrade der Distorsion unterteilt:
• Grad 1 (leichte Distorsion): Überdehnung der Bänder ohne Instabilität
• Grad 2 (mittelschwere Distorsion): Starke Überdehnung und Teilriss eines oder mehrerer Bänder
• Grad 3 (schwere Distorsion): Riss eines oder mehrerer Bänder

Schon leichtere Überdehnungen der Bänder können zu einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks führen, wobei sich dann eine Reihe von Verletzungen im Laufe der Jahre zu einem ausgeprägten „Schlottergelenk“ zusammenfinden.

Symptome:
• Schmerzen
• Gelenkschwellung
• Bluterguss
• Unnormale Gelenkstellung
• Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit
• Schwere Verstauchungen können mit einem Bänderriss einhergehen

 

 

Arthrose
Arthrose ist ein zunehmender, altersabhängiger Knorpelabrieb der Gelenke des Körpers, also ein Verschleißprozess, der bei jedem Menschen stattfinden kann. Dieser Knorpelabrieb kann schleichend erfolgen (latente Arthrose) oder in eine schmerzhafte Erkrankung übergehen (aktivierte Arthrose). Prinzipiell kann jedes Gelenk betroffen sein. Viele Patienten klagen auch nach dem Abheilen einer eigentlichen Verletzung noch über Schmerzen im Sprunggelenk. Weder der Arzt noch der Patient sollten chronische Beschwerden unterschätzen. So kann aus einer Reihe von kleinen Verletzungen des Sprunggelenks schnell eine Arthrose resultieren.
Zur Arthrose im Sprunggelenk kommt es meist nach Außenknöchelbrüchen, bei wiederholten Sprunggelenkbänderrissen, die das Gelenk instabil machen, oder auch im Rahmen einer ungünstigen Biomechanik am Fuß, nach unfallbedingten Vorschäden sowie im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses. Meist sind davon Menschen betroffen, die älter als 50 Jahre sind.

Symptome:
• Schmerzen
• Steifheit im Gelenk
• Verschleiß des Knorpels

 

 

Therapiemöglichkeiten des Sprunggelenks

Die Therapiemöglichkeiten der verschiedensten Verletzungen des Sprunggelenkes haben sich in den letzten 25 Jahren deutlich gewandelt. Früher wurden beispielsweise Bänderrisse grundsätzlich operiert, heutzutage wird eine konservative Therapie mit Hilfsmitteln bevorzugt. Bei einer akuten Verletzung des Sprunggelenks sollte als Sofortbehandlung nach der PECH-Regel agiert werden:

Pause Unterbrechung der Belastung, um weitere Schäden zu vermeiden
Eis Eisauflage, um eine Schwellung durch einen Bluterguss zu verhindern
Compression Verband zur Beschleunigung des Blutergussabbaus und zur Stabilisierung des betroffenen Bereiches
Hochlegen Über Knie-/Herzhöhe, um eine weitere Schwellung und Einblutung in das Gewebe zu unterbinden

Für die Weiterbehandlung empfehlen wir je nach Schwere der Verletzung eine Bandage bzw. Orthese, die in Belastungssituationen das Verletzungsrisiko reduzieren.

 

Wirkungsweise von Bandagen
Die Kompression einer Bandage verbessert die Muskelfunktionalität und sorgt so für eine verbesserte Stabilisierung des Sprunggelenks. Die Pelotten massieren das Weichteilgewebe um die Knöchel herum, unterstützen so den Lymphfluss und den Rückgang von Schwellungen und Schmerzen. So wird der Heilungsprozess verbessert.

Wirkungsweise von Orthesen
Orthesen stabilisieren das Sprunggelenk und begrenzen die Drehungsmöglichkeit des Fußes. So ist ein normales Gehen möglich und ein erneutes Umknicken wird verhindert.

 

Die Heilungsphasen einer Sprunggelenkverletzung:

 

1.–4. Tag
Schmerzen und Schwellung des Sprunggelenks. Der Fuß muss unbedingt mit einer Orthese ruhiggestellt werden.

5.–21. Tag
Zerstörtes Gewebe wird abgebaut und neues Gewebe wird gebildet. Zunehmende Mobilisierung des Sprunggelenks unter kontrollierter Belastung (Orthese wird weiterhin benötigt). Radfahren, Schwimmen und Walking ist möglich, eine Absprache mit dem Arzt vorausgesetzt.

22.–60. Tag
Umwandlung des provisorischen Ersatzes in definitives Gewebe. Entfernung der Orthese, gestrickte Bandage wird angewendet.

 

 

Übungen für den Genesungsprozess

Für jede der einzelnen Heilungsphasen (Entzündungsphase, Neubildungsphase und Reifungsphase) gibt es Übungen für das Sprunggelenk, die Sie durchführen können, um die Rehabilitation des Sprunggelenks zu unterstützen. Wichtig dabei ist, dass Sie alle Übungen dosiert, kontrolliert und im schmerzfreien Bereich durchführen. Wir empfehlen Ihnen dringend vorab eine Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt.

 

Übungen während der Entzündungsphase:

Übung 1
Legen Sie sich bequem auf den Rücken. Den verletzten Fuß ausgestreckt und ohne Anspannung auf den Untergrund legen. Den anderen Fuß anwinkeln. Ziehen Sie nun den verletzten Fuß und die Zehen zum Körper. Beugen Sie anschließend den Fuß wieder. Diese Übung langsam durchführen, je Richtung sollten Sie drei Sekunden benötigen.
Achtung: Es dürfen während der Übung keine Schmerzen im Sprunggelenk oder in den Zehen auftreten.

 

Übung 2
Stellen Sie sich auf den verletzten Fuß. Bleiben Sie zur Sicherheit in der Nähe eines Stuhles oder Tisches. Heben Sie nun den gesunden Fuß vom Boden ab und winkeln Sie das Bein an. Schwingen Sie das Bein langsam vor und zurück, je Richtung sollten Sie fünf Sekunden benötigen. Halten Sie, Ihren Körper aufrecht und das Standbein gerade. Versuchen Sie, Ihre Hand langsam vom Stuhl zu lösen. Wiederholen Sie diese Übung 30 Sekunden lang.
Achtung: Es dürfen während der Übung keine Schmerzen im Sprunggelenk auftreten.

 

 

Übung während der Neubildungsphase:

Übung 3
Stellen Sie sich mit dem verletzten Fuß mit einem Ausfallschritt auf eine instabile Unterlage (z. B. auf ein mehrfach gefaltetes Frotteehandtuch). Verlagern Sie nun das Körpergewicht auf den verletzten Fuß. Bleiben Sie zur Sicherheit in der Nähe eines Stuhles oder Tisches. Nun führen Sie langsam Kniebeugen durch, dabei sollten Sie fünf Sekunden je Bewegungsrichtung benötigen. Versuchen Sie, Ihre Hand langsam vom Stuhl zu lösen. Wiederholen Sie diese Übung fünf bis zehn Mal mit fünf Sekunden Pause.
Achtung: Achten Sie auf einen sicheren Stand. Es dürfen während der Übung keine Schmerzen im Sprunggelenk auftreten.

 

 

Übungen während der Reifungsphase:

Übung 4
Legen Sie sich bequem auf den Rücken. Legen Sie ein elastisches Gymnastikband um den Mittelfuß des verletzten Sprunggelenks und halten Sie es mit dem gesunden Fuß auf der Unterlage fest. Führen Sie nun den verletzten Fuß leicht nach außen und langsam wieder zurück, dabei sollten Sie fünf Sekunden je Bewegungsrichtung benötigen. Wiederholen Sie diese Übung zehnmal.
Achtung: Das Hüftgelenk wird während dieser Übung nicht bewegt. Es dürfen während der Übung keine Schmerzen im Sprunggelenk auftreten.

 

Übung 5
Legen Sie einen mit den Füßen gut greifbaren Gegenstand (beispielsweise ein Handtuch) vor sich auf den Boden. Belasten Sie den gesunden Fuß und stellen Sie sich auf das Bein. Versuchen Sie, den Gegenstand mit den Zehen des verletzten Fußes zu greifen und winkeln Sie dann das Bein an. Bewegen Sie das Bein nun hoch und runter. Wiederholen Sie die Auf- und Abbewegung 15-mal. Sie können danach auch das Standbein wechseln und mit dem gesunden Fuß nach dem Gegenstand greifen.
Achtung: Achten Sie auf einen sicheren Stand. Es dürfen während der Übung keine Schmerzen im Sprunggelenk auftreten.

 

(C) Texte und Bilder: www.bsnmedical.de, BSN medical GmbH • Quickbornstraße 24 • 20253 Hamburg

 

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